Der Pleitegeier nimmt immer öfter Kurs auf Neubrandenburger Haushalte. Im Schuldenbarometer der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel ist die Viertorestadt zur „roten Zone“ bei Verbraucherinsolvenzen erklärt worden: Mit 212 Pleiten pro 100 000 Einwohner spielt Neubrandenburg in der Bundesliga. Nur in Pirmasens (267) in Rheinland-Pfalz und Delmenhorst (251) in Niedersachsen mussten, gemessen an der Einwohnerzahl, im 1. Halbjahr 2012 deutschlandweit mehr Verbraucher ihre Zahlungsunfähigkeit erklären als in der Kreisstadt der Mecklenburgischen Seenplatte.
Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung vom Partner, geplatzte Hausfinanzierung oder Kaufverhalten: Über die Gründe von Verbraucherinsolvenzen gibt es unter Experten kaum Zweifel. „Meistens existiert nicht nur eine Ursache, häufig bringen mehrere Probleme das Fass zum Überlaufen“, schätzt Nicolas Mantseris, Schuldnerberater der Caritas in Neubrandenburg, ein. Sicherlich sei Arbeitslosigkeit eines der schwerwiegendsten Probleme. „Wer aber ständig mit niedrigen Einkommen leben muss, steht auch bald an der Armutsgrenze“, berichtet er.
„Eigentlich müsste es in Neubrandenburg wegen der besseren wirtschaftlichen Lage doch weniger Pleiten geben als im Umland“, meint Schuldnerberater Nicolas Mantseris. Laut Bürgel-Schuldenbarometer rutschen in den Altkreisen, die heute zur Seenplatte gehören, aber deutlich weniger Haushalte in die Insolvenz. „Das könnte unter anderem daran liegen, dass es Menschen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, eher in die Stadt zieht“, vermutet Mantseris.
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