Nach normaler Verkehrskontrolle sah es nicht aus, was viele Autofahrer an allen Ein- und Ausfahrten des Stadtgebietes am Donnerstagabend passierten. Große Polizeiaufgebote und im gesamten Innenstadtbereich sowie auf dem Ring jede Menge Streifenwagen. Auf der Facebookseite des Nordkuriers berichten Nutzer von „geschätzten 70 Polizisten in kompletter Kampfuniform“ in der Innenstadt und besonders vielen Einsatzkräften im Bereich Sponholzer Straße – in der Warliner Straße haben die Neubrandenburger Bandidos ihr Clubhaus. Nach Polizeiangaben waren am Abend Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern und Unterstützern des Hells Angels Motorradclubs (MC) Berlin sowie Mitgliedern und Aussteigern des Bandidos MC Neubrandenburg geplant.
Beim Großeinsatz wurden die Kräfte des Polizeipräsidiums Neubrandenburg vom Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamtes (LKA) unterstützt. Mitglieder der Rockerbanden oder Leute, die der Szene zuzuordnen sind, gingen der Polizei bei den Kontrollen nicht ins Netz, sagte Andreas Scholz, Sprecher des Präsidiums, auf Nachfrage. Ortsfremde Personen und Ansammlungen seien ebenfalls nicht festgestellt worden. Es gebe Hinweise darauf, dass die Bandidos und Hells Angels ihr Vorhaben auf Grund der massiven Polizeipräsenz aufgegeben haben. Die geplante Auseinandersetzung war nach Angaben der Polizei in sozialen Netzwerken angekündigt worden. Außerdem gab es Informationen von Polizeibehörden anderer Bundesländer – insbesondere aus Berlin, so Scholz.
Während Nutzer der Nordkurier-Facebookseite geteilter Meinung sind, ob der Polizeieinsatz übertrieben oder zur Vermeidung einer Eskalation angemessen war, lässt die Polizei keine Zweifel, dass sie an ihrer Strategie festhält. „Die Polizei wird auch in Zukunft im Rahmen einer ,Null-Toleranz-Strategie‘ bei vergleichbaren Anlässen konsequent und entschieden unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten mit starken Einsatzkräften erforderliche Maßnahmen treffen, um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Rockergruppierungen zu verhindern“, heißt es in einer Erklärung.
Von den Neubrandenburger Bandidos gab es trotz Nachfrage gestern keine Stellungnahme zum Einsatz und möglichen Hintergründen. Kenner der Rockerszene können sich indes vorstellen, dass die Berliner Hells Angels Ambitionen haben, ihren Einflussbereich nach Norden auszudehnen und bewusst darauf spekulieren, dass die Neubrandenburger Bandidos und ihre Supporterclubs geschwächt sind. Im Zuge einer massiven Polizeiaktion im Dezember 2011 gegen mehrere Neubrandenburger Motorradclubs hatten etliche Mitglieder der Szene den Rücken gekehrt. Die Bandidos hatten die damalige Aktion als ungerechtfertigt bezeichnet.











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