Ingrid Brennführer ist empört. Die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative „Leben am Reitbahnweg“ hat einen kritischen Leserbrief geschrieben, den sie im „3-Viertel-Report“ veröffentlicht wissen wollte. Allerdings hat ihr die Pressestelle der Stadt einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Denn hier wird vorab über jede Ausgabe der vierteljährlich erscheinenden Ausgabe geschaut. Dieser Leserbrief aber sei „zu kritisch“, hieß es. Ingrid Brennführer wirft nun der Stadt unzulässige Zensur vor. Was ermächtige die Stadt eigentlich dazu, fragte sie in der Stadtvertreterversammlung am Donnerstag. „Wir wollen alle mehr Demokratiebeteiligung der Bürger. Und dann wird unser Engagement so beschnitten“, sagte sie.

Der „3-Viertel-Report“ ist eine kostenlose Stadtteilzeitung für das Reitbahnviertel, die Ihlenfelder Vorstadt und das Vogelviertel. Sie lebt vor allem vom ehrenamtlichen Engagement von Bürgern, die sich hier als Hobby-Redakteure betätigen. Finanziert wird sie durch öffentliche Gelder. Als Herausgeberin ist die Kommunale Entwicklungsgesellschaft (KEG) genannt.

Die KEG ist keine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt, sondern gehört je zur Hälfte der BIG Städtebau GmbH und der Stadt Neubrandenburg. (In einer ersten Fassung des Beitrags war hier noch eine andere Gesellschafterstruktur genannt, die aber seit dem 1. April 2010 nicht mehr gilt. Dieser Fehler beruhte auf einer veralteten Selbstdarstellung der KEG auf ihrer eigenen Internetseite.)

Dennoch behält sich die Pressestelle der Stadt das Recht vor, den Inhalt des 3-Viertel-Report zu kontrollieren. Pressesprecherin Doreen Duchow verteidigte vor den Stadtvertretern ihr Vorgehen: Bisher seien 20 Ausgaben der Stadtteilzeitung erschienen, zum ersten Mal habe sie eingreifen müssen.

Denn der Brief von Ingrid Brennführer habe „in eklatanter Weise gegen die Intentionen der Stadtteilzeitung verstoßen“. Ziel des „3-Viertel-Reports“ sei es, die Arbeit der KEG positiv darzustellen. Er habe hingegen nicht zum Ziel, dem Unmut von Bürgern Ausdruck zu verleihen. Insofern sei der „3-Viertel-Report“ „nicht unabhängig“ – auch wenn es so im Titelkopf steht. Als Gesellschafter habe man ein Mitspracherecht, sagte Doreen Duchow.

Was im Brief steht, was der OB, zwei Abgeordnete der Stadt und die Landesgeschäftsführerin des Deutschen Journalistenverbandes davon halten, lesen Sie in unserer Samstagsausgabe und hier.