„Bisher finden wir noch für jeden Verein eine Hallenzeit“, sagt Dirk Schwabe. Ob sich dieser „hohe Standard“ auch in Zukunft halten lässt, bezweifelt der Betriebsleiter des Städtischen Immobilienmanagements (SIM) vor den Abgeordneten des Schul- und Sportausschusses der Stadtvertretung. Er verweist auf die Normalität in den alten Bundesländern. Dort gebe es teils lange Wartelisten von Vereinen, die eine Hallenzeit buchen wollen, schreibt Jörg Spreemann in unserer Dienstagsausgabe.

Schon heute sind laut Schwabe Neubrandenburgs Turnhallen über die Sollzeiten hinaus mit durchschnittlich 107 Prozent ausgelastet. Das heißt, die Gebäude werden nicht nur in der Schulzeit, sondern auch in den Ferien und bis in die späten Abendstunden genutzt. Mit gut 82 Prozent Auslastung stehe die Halle Ost III am schlechtesten da, Spitzenreiter sei die Vier-Felder-Halle Binsenwerder im Wohngebiet Rostocker Straße mit 146 Prozent. Sorge bereitet Schwabe vor allem das fehlende Geld, sämtliche Sportstätten nachhaltig in Schuss zu halten. „Wenn eine Halle wegen eines Rohrbruchs mal gesperrt werden müsste, wird es eng“, warnt er.

Ausgerechnet die zu DDR-Zeiten errichtete Halle mit der stärksten Auslastung steht nun für ein Jahr nicht zur Verfügung. Der Schulsport findet in den Hallen in der Umgebung statt. Die Bauarbeiten, die im Binsenwerder begonnen haben, seien eher ein Glücksumstand. Das Innenministerium habe einen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro für den Umbau genehmigt. „So was ist eher die Ausnahme“, sagt Schwabe. Zusammen mit Eigenmitteln der Stadt würden nun 3,5 Millionen Euro in die Sportstätte investiert. Der SIM-Chef verweist aber auch auf die Folgen einer Sanierung in Bezug auf die Nutzungsgebühren.

Wenn im März 2013 die Halle wieder geöffnet werde, müsse anders kalkuliert werden. Heute koste die Nutzung pro Stunde 83 Euro. Künftig müssten wie nach jeder Investition in die Rechnung Kreditzinsen, Eigenkapitalzinsen und Abschreibung einbezogen werden. Schwabe beziffert den möglichen Zuschlag auf 85 Euro je Stunde. Mit dem allerdings würde vor allem die Stadtkasse belastet: Über die Sportförderung werden derzeit rund 90 Prozent der Miete den Vereinen erstattet.
Stundensätze von 315 Euro für den Innenraum des Jahnsportforums und 220 Euro für die Stadthalle verlange das Veranstaltungszentrum Neubrandenburg (VZN), so Geschäftsführerin Barbara Schimberg.

Allerdings seien beide Gebäude, deren Sollzeiten auf Basis einer ganzjährigen Nutzung ohne Ferienpause berechnet werden, nicht voll ausgelastet. Weder durch Veranstaltungen noch durch den Leistungs- oder Vereinssport. Sorgen bereite insbesondere der „Instandhaltungsrückstau“ der Stadthalle. Dieses Haus befinde sich im Eigentum der Stadt Neubrandenburg und werde vom VZN gepachtet.

„Wir haben einen Hilferuf an den Eigentümer geschickt“, so Schimberg. Insbesondere die sanitären Anlagen und das Parkett seien nicht mehr so „repräsentativ“, wie es für den Preis mancher Eintrittskarte eigentlich angemessen sei. SIM-Chef Schwabe macht Hoffnung auf kurzfristige Reparaturen und eine für 2015 geplante Sanierung der 1968 gebauten Stadthalle für 2,3 Millionen Euro. Dann allerdings, siehe Turnhalle Binsenwerder, wird für die Nutzer neu kalkuliert.