Der Streit um die Kommunismus-Zielvorgabe der Linkspartei-Vorsitzenden Gesine Lötzsch ist bei den Linken in Neubrandenburg kein großes Thema. Bei der jüngsten Sitzung des Kreisvorstands habe man sich mit wichtigeren Themen wie den anstehenden Wahlen beschäftigt, sagt Dieter Kowalick, Vorsitzender des Linke-Kreisverbandes und Neubrandenburger Stadtvertreter, auf Nachfrage. Auf seine etwas ironisch gehaltene Frage, ob man sich mit dem „Gespenst“* beschäftigen sollte, habe man kein Bedürfnis zu einer Debatte über das Thema geäußert, plaudert er „aus dem Nähkästchen“.

Nach Kowalicks Meinung habe sich Gesine Lötzsch in ihrem fünfseitigen Beitrag für die „Junge Welt“ nur missverständlich ausgedrückt. Hätte sie dort statt von Kommunismus vom Demokratischen Sozialismus gesprochen, hätte das keinesfalls bundesweit solche Wellen geschlagen, zeigt er sich sicher.

Dieter Kowalick selbst sieht auch keinesfalls den Kommunismus als politisches Ziel der Linkspartei, sondern den „Demokratischen Sozialismus“. Dieser sei aber eben nicht die Verbesserung des Kapitalismus, sondern eher eine Verbesserung der Demokratie. Er warnt davor, Kapitalismus und Demokratie gleichzusetzen. Es sei Ziel der Linken, die Bürger mehr an demokratischen Entscheidungen zu beteiligen als sie – wie es jetzt der Fall sei – nur alle vier Jahre einmal wählen zu lassen: man strebe beispielsweise einen Bürgerhaushalt und mehr Bürgerentscheide an, um die Menschen aktiv in politische Prozesse einzubinden. Kowalick will aber nicht missverstanden werden: Auch in der DDR habe der einzelne Bürger kein Mitspracherecht gehabt, betont er.

Der Kreis-Chef der Linken macht keinen Hehl aus seiner SED-Mitgliedschaft in der DDR, er arbeitete ab 1982 in der SED-Kreisleitung Prenzlau und wurde dort im November 1989 Erster Kreissekretär. Als Kommunist will er sich aber heute wie damals nicht bezeichnen. Es stehe die Frage, wie man Kommunismus überhaupt definiere. Im Westen Deutschlands sei dieser Begriff eher „durch die Bild-Zeitung geprägt“ und mit negativen Begriffen wie Diktatur und Repressionen belegt. All das habe es gegeben, das könne niemand ernsthaft leugnen. Er möchte nichts „beschönigen“, so Kowalick weiter, das Wort Kommunismus habe in der DDR aber auch eine andere, visionäre Bedeutung gehabt.

*„Das Gespenst des Kommunismus“: ein bekanntes Zitat aus dem ersten Satz des Buches „Das kommunistische Manifest“ von Karl Marx.