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Neuwoba-Vorstandsmitglied René Gansewig bedauert, dass nicht mehr als 146 der rund 8800 Genossenschaftswohnungen in der Viertorestadt mit Holzpellets beheizt werden. „Die Investitionskosten für die Umrüstung würden uns überfordern“, meint er. Nicht allein wegen der Umweltfreundlichkeit würde Gansewig gern stärker auf die Pellets setzen, schreibt Jörg Spreemann in unserer Montagsausgabe.

In erster Linie verärgern den Neuwoba-Vorstand die aus seiner Sicht viel zu hohen Kosten für die Fernwärme, die von den Stadtwerken erzeugt wird. „Leider gibt es keinen Wettbewerb wie bei Strom oder Gas“, bedauert er. Musste die Neuwoba nach eigener Statistik im Jahr 2000 knapp 3,9 Millionen Euro für die Fernwärme an den städtischen Versorger entrichten, hatten sich die Zahlungen im vergangenen Jahr auf 6,5 Millionen Euro gesteigert – bei rund 10 Prozent weniger Verbrauch.

Nach Angaben der Stadtwerke basieren die Fernwärmepreise in Neubrandenburg auf den Bezugskosten für Erdgas. Dass der Preis für diesen Rohstoff in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen ist, weiß Gansewig. Trotzdem fordert er die Stadtwerke auf, über ihre Preiskalkulation die Fernwärmekosten zu stabilisieren oder gar zu senken. Schließlich müssten die Mieter die Fernwärme bezahlen. „Angesichts vieler einkommensschwacher Haushalte in Neubrandenburg ist deren finanzieller Spielraum aber begrenzt“, weiß er. Die hohen Fernwärmekosten trügen dazu bei, dass die Gesamtmieten entsprechend hoch lägen.

„Das ist wenig attraktiv für Leute, die hierher ziehen wollen", vermutet er. Gansewig stört, dass die Stadtwerke beim so genannten Mischpreis je Megawattstunde deutlich über dem Durchschnitt der Fernwärmeversorger in Deutschland liegen. So habe die Neuwoba im vergangenen Jahr gut 87 Euro je Megawattstunde (ohne Mehrwertsteuer) zahlen müssen.

Nach einem Branchenvergleich des Fachverbandes AGFW lag am 1. April 2010 der Mischpreis von 53 ostdeutschen Fernwärme-Anbietern bei 72,51 Euro. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt demnach sogar nur bei 66,97 Euro. Zum Vergleich: Die Megawattstunde in der Neuwoba-Pelletheizung kostet laut Gansewig lediglich 56,27 Euro.

Die Stadtwerke selbst beziffern selbst ihren Mischpreis bei Fernwärme auf Werte zwischen 77,30 und 87,30 Euro. Es existiere aber kein bundesweiter Vergleich von Fernwärmepreisen, der nach einheitlichen Kriterien aufgestellt sei, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Zudem verweist der Versorger auf ein Urteil des Neubrandenburger Amtsgerichts aus dem Jahr 2009, wonach die seit 2007 verlangten Fernwärmepreise angemessen seien.

„Neubrandenburg liegt deutschlandweit an der Oberkante der Fernwärmepreise“, findet auch Frank Benischke, Geschäftsführer der Neuwoges, dem zweiten großen Vermieter in der Viertorestadt. Aus seiner Sicht haben die Stadtwerke seit 2002 die verdoppelten Heizöl- und Gaspreise aber nicht komplett an die Fernwärmekunden weitergegeben. Allerdings nennt Benischke es eine Aufgabe der Stadtwerke, durch „attraktive Preisgestaltung“ die Fernwärme günstig gegenüber anderen Versorgungsarten zu halten.

Foto: Hauswart Bernhard Erdmann kontrolliert die Neuwoba-Pelletheizung im Wohngebiet Stargarder Bruch.